Zum Inhalt
Years & Yield

Wie viel Fleisch ist gesund? Was Empfehlungen und Studien sagen

Fleisch ist kein Gift, aber die Menge zählt, und die Art noch mehr. Bei Wurst, Schinken und Speck ist die Studienlage deutlich klarer als beim Steak.

Mittlere EvidenzSo bewerten wir, 3 Minuten

Kurz gesagt

  • Die Schweizer Ernährungsempfehlungen raten zu höchstens 2 bis 3 Portionen Fleisch pro Woche zu je 100 bis 120 g, Geflügel und Wurst eingeschlossen.
  • Erwachsene in der Schweiz assen in der nationalen Erhebung menuCH im Schnitt 111 g Fleisch pro Tag, gut doppelt so viel wie das empfohlene Maximum.
  • Verarbeitetes Fleisch wie Wurst und Schinken stuft die Krebsforschungsagentur der WHO als krebserregend ein: Jede täglich gegessene Portion von 50 g erhöht das Darmkrebsrisiko um etwa 18 %.
  • Für unverarbeitetes rotes Fleisch ist der Zusammenhang schwächer belegt.
Ein Teller mit einem kleinen Stück Fleisch und viel Gemüse, Bohnen und Erbsen.
KI-Illustration

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit haben 2024 neue Ernährungsempfehlungen veröffentlicht. Zum Fleisch heisst es dort: höchstens 2 bis 3 Mal pro Woche, Geflügel und verarbeitetes Fleisch eingeschlossen. Eine Portion sind 100 bis 120 g. Dazu kommen mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte, etwa 60 g roh.1 Im Maximum sind das 360 g Fleisch pro Woche.

Was wir tatsächlich essen

Die nationale Ernährungserhebung menuCH hat 2014 und 2015 rund 2000 Erwachsene zwischen 18 und 75 Jahren befragt. Im Schnitt assen sie 111 g Fleisch pro Tag, davon 44 g verarbeitetes Fleisch wie Wurst und Aufschnitt. Das ist rund dreimal so viel wie die mittlere Empfehlung von rund 35 g pro Tag, gemessen genussfertig.2 Und es ist gut doppelt so viel wie das Maximum von 360 g pro Woche, also rund 51 g pro Tag.

Fleisch pro Tagdavon verarbeitet
Männer140 g55 g
Frauen81 g32 g
Durchschnitt111 g44 g
Empfehlung (Mittelwert, genussfertig)rund 35 g

Wurst und Schinken: die klarste Studienlage

Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) stuft verarbeitetes Fleisch als krebserregend ein, in dieselbe Gruppe wie Tabak. Gemeint ist Fleisch, das gesalzen, gepökelt, fermentiert oder geräuchert wurde. Jede täglich gegessene Portion von 50 g erhöht das Risiko für Darmkrebs um etwa 18 %.3

Die Gruppe sagt allerdings nur, wie sicher der Zusammenhang belegt ist, nicht wie gross das Risiko ist. Wurst ist also nicht so gefährlich wie Rauchen. Weltweit gehen nach Schätzungen rund 34’000 Krebstodesfälle pro Jahr auf eine Ernährung mit viel verarbeitetem Fleisch zurück.3

Der World Cancer Research Fund kommt zum selben Schluss: Es gebe überzeugende Belege, dass verarbeitetes Fleisch Darmkrebs verursacht. Er rät deshalb, davon sehr wenig oder gar nichts zu essen.4 Eine Meta-Analyse fand zudem bei 50 g verarbeitetem Fleisch pro Tag ein um 42 % höheres Risiko für koronare Herzkrankheit und ein um 19 % höheres Risiko für Diabetes.5

Rotes Fleisch: wahrscheinlich, aber schwächer belegt

Für unverarbeitetes rotes Fleisch wie Rind, Kalb, Schwein oder Lamm ist die Lage weniger klar. Die IARC stuft es als «wahrscheinlich krebserregend» ein. Falls der Zusammenhang ursächlich ist, stiege das Darmkrebsrisiko um etwa 17 % pro täglich gegessener Portion von 100 g.3 Der World Cancer Research Fund rät, höchstens etwa drei Portionen rotes Fleisch pro Woche zu essen, zusammen 350 bis 500 g gekocht.4

Für unverarbeitetes rotes Fleisch fand die Meta-Analyse von 2010 keinen statistisch gesicherten Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit und Diabetes, allerdings auf Basis von nur vier bis fünf Studien.5 Eine viel grössere Auswertung von 31 Kohortenstudien mit fast 2 Millionen Erwachsenen fand 2024 pro 100 g unverarbeitetem rotem Fleisch täglich ein um 10 % höheres Diabetesrisiko, pro 50 g verarbeitetem Fleisch ein um 15 % höheres.6

Was das im Alltag heisst

Wer bei der Menge im Rahmen der Schweizer Empfehlungen bleibt und vor allem bei Wurst, Schinken und Speck spart, folgt dem, was die Studienlage am deutlichsten stützt. Hülsenfrüchte liefern dabei eine Eiweissquelle ohne Fleisch.

Fleisch-Rechner

In einer normalen Woche
Mahlzeiten mit rotem FleischRind, Kalb, Schwein, Lamm2
Mahlzeiten mit GeflügelHuhn, Truthahn2
Portionen Wurst und Aufschnittauch Schinken, Speck, Salami3
g
g
Fleisch pro Woche590 g7 Portionen
Schweizer Ernährungsempfehlungen

7 Portionen, 4 mehr als die höchstens 2 bis 3 pro Woche, Geflügel und Wurst eingeschlossen.

World Cancer Research Fund

Rotes Fleisch: 220 g, innerhalb von höchstens etwa 350 bis 500 g gekocht pro Woche.

Verarbeitetes Fleisch: 150 g pro Woche, im Schnitt 21 g pro Tag. Empfehlung: sehr wenig oder gar keins.

Zum Vergleich: Laut der Krebsforschungsagentur der WHO steigt das Darmkrebsrisiko um etwa 18 % pro 50 g verarbeitetem Fleisch, die jemand täglich isst.

Gewichte sind Richtwerte. Der World Cancer Research Fund rechnet mit gekochtem Fleisch, das leichter ist als rohes.

Deine Eingaben bleiben nur in diesem Browser.Als eigene Seite öffnen

So setzt du es um

0 von 5 erledigt

Was wir nicht wissen

  • Die meisten Daten stammen aus Beobachtungsstudien. Wer viel Fleisch isst, lebt oft auch in anderen Punkten anders.
  • Ob es eine Menge verarbeitetes Fleisch gibt, die ganz ohne Risiko ist, konnte die Krebsforschungsagentur der WHO nicht beurteilen.
  • Die Konsumzahlen stammen aus der Erhebung menuCH von 2014 und 2015. Seither kann sich das Essverhalten verändert haben.

Quellen

  1. 1Schweizer Ernährungsempfehlungen für Erwachsene, KurzversionSchweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 2024
  2. 2Fleischkonsum in der Schweiz 2014/15, Fachinformation ErnährungBundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 2017
  3. 3Q&A on the carcinogenicity of the consumption of red meat and processed meat, IARC Monographs Volume 114International Agency for Research on Cancer (IARC), Weltgesundheitsorganisation, 2015
  4. 4Limit red and processed meat, Cancer Prevention RecommendationsWorld Cancer Research Fund, 2018
  5. 5Red and processed meat consumption and risk of incident coronary heart disease, stroke, and diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysisMicha R, Wallace SK, Mozaffarian D, Circulation 121 (21), S. 2271–2283, 2010
  6. 6Meat consumption and incident type 2 diabetes: an individual-participant federated meta-analysis of 1·97 million adults with 100 000 incident cases from 31 cohorts in 20 countriesLi C und andere, The Lancet Diabetes & Endocrinology 12 (9), 2024
Text
Roman, Herausgeber
Veröffentlicht

Diesen Artikel auf Englisch lesen

Zwei Artikel pro Woche

Gesundheit und Geld, geprüft und in fünf Minuten gelesen.

Jeden Freitag zwei Artikel. Abmelden mit einem Klick. Wir messen, ob der Newsletter geöffnet und welche Links angeklickt werden. Datenschutz