Krafttraining: Warum 30 bis 60 Minuten pro Woche genügen
Du musst nicht täglich ins Fitnessstudio. Die WHO empfiehlt Krafttraining an zwei Tagen pro Woche, und die Daten zeigen: Der grösste Nutzen liegt bei einer erstaunlich kleinen Dosis.
Kurz gesagt
- Die WHO empfiehlt Erwachsenen, an mindestens zwei Tagen pro Woche alle grossen Muskelgruppen zu kräftigen.
- In Kohortenstudien ging Krafttraining von 30 bis 60 Minuten pro Woche mit einem 10 bis 20 % tieferen Risiko für Tod, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs einher.
- Bei älteren Menschen steigert regelmässiges Krafttraining die Kraft deutlich und verbessert Alltagsfunktionen wie Gehen und Aufstehen.

Krafttraining galt lange als Sache für Bodybuilder. Heute empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation allen Erwachsenen, an mindestens zwei Tagen pro Woche alle grossen Muskelgruppen zu kräftigen, mit mindestens mittlerer Intensität.1 Die Schweizer Bewegungsempfehlungen sagen dasselbe: mindestens zweimal pro Woche, vor allem für den Rumpf, aber auch für Beine und Schulter-Arm-Bereich.4
Was die Studien zeigen
Eine Übersichtsarbeit von 2022 hat Kohortenstudien zu Krafttraining und Gesundheit zusammengefasst. Wer regelmässig Kraft trainierte, hatte ein 10 bis 17 % tieferes Risiko für Tod, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Diabetes.2
Bemerkenswert ist die Dosis. Den grössten Unterschied, rund 10 bis 20 % tieferes Risiko, fanden die Forschenden bei etwa 30 bis 60 Minuten Krafttraining pro Woche. Mehr Training ging in diesen Daten nicht mit einem grösseren Nutzen einher.2 Zwei Einheiten von je 15 bis 30 Minuten liegen genau in dieser Spanne.
Auch im Alter wirksam
Für ältere Menschen gibt es besonders gute Belege aus kontrollierten Studien. Ein Cochrane-Review hat 121 randomisierte Studien mit 6700 älteren Teilnehmenden ausgewertet. Meist wurde zwei- bis dreimal pro Woche trainiert. Die Muskelkraft stieg deutlich, und Alltagsfunktionen wie Gehtempo und Aufstehen vom Stuhl verbesserten sich.3
Die WHO empfiehlt Menschen ab 65 zusätzlich, an mindestens drei Tagen pro Woche Gleichgewicht und Kraft zu trainieren, um Stürzen vorzubeugen.1
So sieht eine Einheit aus
Eine Einheit braucht kein Fitnessstudio. Wichtig ist, dass alle grossen Muskelgruppen vorkommen und die letzten Wiederholungen anstrengend sind. Ein Beispiel für zu Hause:
- Kniebeugen, bei Bedarf mit Stuhl als Hilfe,
- Hüftbrücke im Liegen,
- Rudern mit einem Gummiband,
- Liegestütze, zu Beginn an der Wand oder auf den Knien,
- Schulterdrücken mit zwei gefüllten Wasserflaschen,
- Unterarmstütz für den Rumpf.
Wird eine Übung leicht, erhöhst du das Gewicht oder die Wiederholungen. Genau dieses schrittweise Steigern prüften die Studien im Cochrane-Review.3
So setzt du es um
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Was wir nicht wissen
- Die Zahlen zum Sterberisiko stammen aus Beobachtungsstudien. Wer Kraft trainiert, lebt oft auch sonst gesünder; Ursache und Wirkung sind damit nicht bewiesen.
- Warum der Nutzen in diesen Daten jenseits von etwa einer Stunde pro Woche nicht weiter steigt, ist unklar.
- Nebenwirkungen wurden in vielen Trainingsstudien nur lückenhaft erfasst.
Quellen
- 1WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour
- 2Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases: a systematic review and meta-analysis of cohort studies
- 3Progressive resistance strength training for improving physical function in older adults
- 4Gesundheitswirksame Bewegung bei Erwachsenen, Merkblatt
- Text
- Roman Henggeler, Herausgeber
- Veröffentlicht
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